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Bayer bringt klinische Studien zu Riociguat voran
Berlin. Aufgrund vielversprechender Phase-II-Ergebnisse will Bayer Schering Pharma mit
dem Medikament Riociguat (BAY 63-2521) noch im Jahr 2008 ein Phase-III-Programm starten.
Riociguat ist das erste Präparat einer neuen Klasse von gefässerweiternden Substanzen –
den Stimulatoren der löslichen Guanylatcyclase (sGC). Der als Tablette einzunehmende
Wirkstoff wird derzeit als neuer Therapieansatz bei verschiedenen Formen des
Lungenhochdrucks untersucht. Im Vergleich zu den Ausgangswerten zeigte sich in einer
Phase-II-Studie eine signifikante Verbesserung der körperlichen Belastungsfähigkeit für
Patienten mit chronisch thromboembolischer pulmonaler Hypertonie (CTEPH) und pulmonaler
arterieller Hypertonie (PAH). Für diese Erkrankungen sollen noch bis Ende 2008 Phase-III-
Studien beginnen.
Die Daten wurden bei einem Satellitensymposium von Bayer Schering Pharma anlässlich des
Jahreskongresses der European Respiratory Society (ERS) in Berlin vorgestellt und
stammen aus einer 12-wöchigen, unkontrollierten Studie der Phase II. Neben der
verbesserten körperlichen Belastungsfähigkeit profitierten die Patienten auch –
verglichen mit den Ausgangswerten – signifikant in Bezug auf eine Reihe weiterer
sogenannter hämodynamischer Parameter, wie beispielweise den Gefäßwiderstand in der
Lunge, die Herzleistung und den Blutdruck in der Lungenarterie. Riociguat wurde in der
Studie gut vertragen und hatte ein günstiges Sicherheitsprofil. Die vollständigen Daten
der Studie sollen anlässlich der Internationalen Konferenz der American Thoracic Society
(ATS) im Mai 2009 in San Diego (Kalifornien, USA) vorgestellt werden.
„Riociguat hat das Potenzial, die eingeschränkten Behandlungsmöglichkeiten des
Lungenhochdrucks zu überwinden“, sagte Dr. Kemal Malik, Leiter des Bereichs Global
Development und Mitglied des Executive Committee von Bayer HealthCare. „Wir expandieren
in Bereiche mit einem großen medizinischen Bedarf. Riociguat ist ein gutes Beispiel für
die innovativen Therapieansätze, an denen Bayer auf dem Gebiet der kardiovaskulären
Erkrankungen arbeitet.“
„Lungenhochdruck ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. Für die meisten Patienten gibt
es immer noch keine ausreichende Therapieoption“, erklärte Studienleiter Prof. Hossein
Ardeschir Ghofrani, Leiter der Abteilung Pulmonale Hypertonie im Bereich Innere Medizin
des Universitätsklinikums Gießen. „Die positiven Studienergebnisse mit Riociguat sind
sehr ermutigend. Wenn sich diese in den kommenden Phase-III-Studien bestätigen sollten,
wäre das eine sehr gute Nachricht für Patienten mit pulmonaler Hypertonie und deren
behandelnde Ärzte.“
Zusätzlich zu der abgeschlossenen Phase-II-Studie und den beiden in Kürze beginnenden
Phase-III-Studien mit CTEPH- und PAH-Patienten laufen derzeit noch weitere Phase-II-
Studien zu Riociguat bei Patienten mit anderen Formen der pulmonalen Hypertonie (PH),
beispielsweise PH bei chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (PH-COPD) oder PH bei
interstitiellen Lungenerkrankungen (PH-ILD). Die ersten Ergebnisse aus diesen
Untersuchungen werden für 2009 bzw. 2011 erwartet.
Über die Phase-II-Studie zu Riociguat
Die Phase-II-Studie ist eine offene, unkontrollierte, 12-wöchige Studie mit 75 Patienten
mit CETPH und PAH. Ein typisches Symptom dieser Erkrankungen ist die stark
eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit. Die Belastbarkeit der Patienten wurde mit
dem „6-Minuten-Gehtest“ gemessen – einem Standard, der bereits als Endpunkt in mehreren
zulassungsrelevanten Untersuchungen eingesetzt wurde. Riociguat konnte demnach die
mittlere Gehstrecke dabei sowohl für die Gesamtheit der Patienten als auch für die
Untergruppen mit PAH bzw. CTEPH signifikant und klinisch relevant verlängern. Daneben
verbesserte Riociguat signifikant sowohl die hämodynamischen Parameter für alle
Patienten als auch das Stadium der Herzinsuffizienz nach dem Klassifikationssystem der
New York Heart Association (NYHA) im Vergleich zu den Ausgangsdaten.
Über Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie)
Weltweit leiden über 2,5 Millionen Menschen an einer pulmonalen Hypertonie (PH). Für die
meisten dieser Patienten gibt es bis jetzt noch keine von den Gesundheitsbehörden
zugelassene Therapie. Bei dieser Erkrankung erhöht sich der Blutdruck in den
Lungenarterien, Lungenvenen oder Lungenkapillaren, was zu Kurzatmigkeit,
Schwindelgefühl, Ohnmachtsanfällen und anderen Symptomen führt, die sich bei
körperlicher Anstrengung verschlimmern. Die PH kann eine schwere Erkrankung mit deutlich
eingeschränkter körperlicher Belastbarkeit sein und zu Herzinsuffizienz und Tod führen.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO teilt die PH in fünf Hauptkategorien ein: pulmonale
Hypertonie infolge chronischer thrombotischer und/oder embolischer Erkrankung (CTEPH);
pulmonale arterielle Hypertonie (PAH); PH in Verbindung mit Linksherzerkrankungen (PH-
LVD); PH bei Lungenerkrankung und/oder Hypoxämie (einschließlich chronisch-obstruktiver
Lungenerkrankung, PH-COPD) sowie PH in Verbindung mit interstitiellen Lungenerkrankungen
(PH-ILD); und eine Gruppe, die verschiedene nicht in den obigen Kategorien inbegriffene
Indikationen umfasst. Den verschiedenen PH-Kategorien liegen unterschiedliche Ursachen
zugrunde. Daher müssen sie teilweise auch unterschiedlich behandelt werden. Allerdings
sind derzeit nur Therapien für die PAH zugelassen, die lediglich einen kleinen Teil der
PH-Erkrankungen ausmacht. Selbst mit Therapie beträgt die mittlere Überlebenszeit für
einen PAH-Patienten nach der Diagnose nur noch fünf bis sechs Jahre – entsprechend hoch
ist der Bedarf an neuen Behandlungsmöglichkeiten.
Über Riociguat
Riociguat gehört zu einer neuartigen Medikamentenklasse, den Stimulatoren der löslichen
Guanylatcyclase (sGC), und wird derzeit als neuer Therapieansatz bei CTEPH, PAH und
anderen Formen der PH untersucht.
Riociguat wirkt über denselben Signalweg wie die körpereigene gefäßerweiternde Substanz
Stickstoffmonoxid (NO). NO entspannt die Muskulatur der Gefäßwände und entlastet Herz
und Lunge, in dem es die Aktivität des Enzyms lösliche Guanylatcyclase (sGC) moduliert.
Riociguat stimuliert die sGC direkt und versetzt das Enzym in einen Zustand, in dem es
für die Wirkungen des endogenen NO empfindlicher wird. Riociguat verminderte in
Tiermodellen die Rechtsherzhypertrophie und das vaskuläre Remodeling, die mit dieser
Erkrankung einhergehen.
Da Riociguat direkt auf die sGC wirkt, weist dieses Medikament nicht die Nachteile NO-
basierter Therapien auf. Außerdem hat Riociguat das Potenzial, verschiedene Nachteile
anderer Medikamente zu überwinden, die derzeit bei PH eingesetzt werden, wie
beispielsweise Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE-5-Hemmer), Endothelinrezeptorantagonisten
und Prostazyklinanaloga.
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